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Der Duft von Teeblättern
eBook - Ein historischer Liebesroman im England des 19. Jahrhunderts, Kensington Crown-Saga, Neuausgabe / New edition, Neuausgabe / New edition
Beschreibung
Über die Familie, die Liebe und dem Streben nach Unabhängigkeit
Der Auftakt des bewegenden Kampfes einer Frau im 19. Jahrhundert
London, 1877: Nachdem Maryanne Landerton gezwungen ist, ihre Stelle als Gouvernante bei der Familie Grey aufzugeben,übernimmt sie die Leitung der Teestube ihres verstorbenen Vaters. Jedoch läuft das Geschäft schlecht und der einstige Treffpunkt des Londoner Tons steht kurz vor dem Aus. Um die Familie vor dem Ruin zu retten, muss Maryanne nicht nur einflussreiche Gäste, sondern auch als eigenständige Frau Anerkennung gewinnen. Als plötzlich Edward Grey, der Neffe und Erbe ihrer früheren Arbeitgeberin, auftaucht, erkennt sie eine einmalige Chance dem Teehaus zu helfen. Doch das Wiedersehen mit ihm weckt nicht nur alte Erinnerungen, sondern auch längst erloschen geglaubte Gefühle…
Erste Leser:innenstimmen
„Ein spannender historischer Liebesroman mit einer starken Protagonistin.“
„Kensington Crown ist eine feministische Romance im historischen London. Volle Leseempfehlung!“
„Fesselnd und inspirierend! Ich freue mich auf neue Projekte der Autorin.“
„Claudia Romes Romance ist ein echter Pageturner... Ich kann die Fortsetzung kaum erwarten.“
Leseprobe
Kapitel 1
Kensington, März 1877
Frühnebel waberte über den Mittelweg bis hin zur Brompton-Kapelle, die von einer andächtigen Stille umgeben war, eingehüllt ins weiche Licht der aufgehenden Wintersonne. Maryanne schlang die Arme um ihren Körper und sog tief Luft ein. Die klirrende Kälte ließ ihren Atem als Dampfwolke vor ihr aufsteigen und sie folgte ihr gedankenversunken mit dem Blick, bis sie sich aufgelöst hatte.
»Ich kann es noch immer nicht glauben.« Mrs Henley trat, gestützt auf ihren Gehstock, neben sie und schnäuzte laut in ihr Taschentuch. »Dein Vater wird sehr fehlen. Er wurde von allen überaus geschätzt. Das Teehaus wird nicht mehr sein, wie es war.«
Maryanne nickte bekümmert und Mrs Henleys Schnäuzen durchzog die morgendliche Stille.
»Doch für ihn war es am Ende besser so. Nach allem, was mir deine liebe Mutter berichtet hat, war ihm das Leben nur noch eine einzige Qual. Nun hat er wenigstens keine Schmerzen mehr.«
»Dem ist wohl so.« Maryanne spürte die tröstliche Berührung der Freundin ihrer Mutter auf ihrem Arm und schluckte schwer. Große Worte, die dem Kummer über den Tod des Vaters Ausdruck verleihen konnten, fand sie keine. Nach langen Tagen voller Beileidsbekundungen und gegenseitigem Trostspenden sehnte sie die Ruhe herbei. Zeit für sich, um die Ereignisse der vergangenen Monate aufzuarbeiten und den Verlust zu akzeptieren. Seit der Nacht, in der ihr Vater gestorben war, hatte Maryanne kaum geschlafen. Immerzu hatten sie die Gedanken an den gestrigen Tag beschäftigt. Nun war die Beerdigung vorbei und eine furchtbare Last fiel von ihr ab.
»Es war eine schöne Trauerfeier.« Mrs Henley strich Maryanne sanft über die Wange, über die Tränen kullerten.
»Ja. Sie hätte ihm gefallen.« Maryannes Blick fand die Bäume und Sträucher, denen über Nacht ein weißes Laubkleid gewachsen war, und sie seufzte laut.
»Kümmere dich um deine Mutter. Sie gibt sich immer über alles erhaben, aber … niemand ist unverwundbar.« Mrs Henley berührte noch einmal bestärkend Maryannes Arm, dann verabschiedete sie sich.
Gedankenverloren sah Maryanne der alten Dame nach, die den Weg hinunter bis zur Straße ging, wo sie vom Nebel verschluckt wurde. Wie ein Gespenst bewegte sich der Dunst daraufhin auf Maryanne zu und ein flaues Gefühl breitete sich in ihrer Magengrube aus. Langsam setzte sie sich in Bewegung. Mit jedem Schritt, den sie tat, knirschte der Frost unter ihren Füßen und ihr Herzschlag beschleunigte sich. Maryanne war überzeugt, dass es eines Tages tröstend sein würde, zu wissen, dass nur zwei Querstraßen zwischen ihnen und dem Ort lagen, an dem ihr Vater seine letzte Ruhe gefunden hatte. Bislang aber löste Brompton in ihr eine schwere Beklemmung aus. Sie zwang sich durch das mächtige Friedhofstor aus grauem Kalkstein und warf einen zögerlichen Blick auf den schmalen Pfad, der vor ihr lag. Eine steile Treppe reichte hinunter zu den frischen Gräbern. Maryanne bot sich eine unverstellte Sicht auf das ihres Vaters und sie verharrte kurz auf der Stelle. Eine Hand auf ihr wild pochendes Herz gelegt, sah sie, wie ihre Mutter von einem Weinanfall geschüttelt wurde. Bertha Landerton war stets eine stolze Frau gewesen, von tadellosem Charakter und Auftreten. Niemals hatte Maryanne bei ihr Nachlässigkeit erlebt. Sie schnappte nach Luft, als sie ihre Mutter so gebrochen sah – ganz in Schwarz gekleidet, das dunkle Haar achtlos hochgesteckt. Strähnen lugten wie Spinnenbeine unter ihrer Haube hervor. Sie wirkte wie ein Trugbild. Maryannes Herz klopfte so schnell in ihrer Brust, dass sie glaubte, es würde zerspringen. Das Nebelgespenst war ihr gefolgt, schwebte ihr entgegen, umschloss sie, doch sie war unfähig, sich zu rühren. Ihre Mutter wimmerte. Ihr Schluchzen durchzog die Umgebung, aber für Maryanne waren die letzten Stufen zu einer unüberwindbaren Hürde geworden. Sie ballte eine Hand zur Faust und ihr Blick verlor sich im Nichts.
Sechs Monate war ihr Vater schwer krank gewesen. Nach einem Kutschenunfall hatte er unter starken Schmerzen gelitten, ohne Hoffnung auf Heilung oder Linderung. Doch Zeit zum Trauern blieb ihnen nicht. Der März war fast vorbei. Mit den höheren Temperaturen würden auch die Gäste von außerhalb an die Themse zurückkehren. Der April läutete die Saison ein und ganze Scharen würden nach London strömen. Sie mussten vorbereitet sein. Tische und Stühle gehörten geputzt, die Vorhänge und Teppiche aufbereitet, die Betten in den Fremdenzimmern über der Teestube aufgeschüttelt. All das war notwendig, um die feine Gesellschaft zurückzugewinnen, die ihrem Vater so am Herzen gelegen hatte. Jetzt, da er nicht mehr lebte, fühlte sich Maryanne dafür verantwortlich, dass die Geschäfte weitergingen. Daneben war die Teestube ihre Zuflucht – eine willkommene Ablenkung von der zersplitterten Hoffnung auf ein Leben mit einem Mann, der für sie nunmehr unerreichbar war.
»Was für eine triste Jahreszeit.« Bertha holte ihre Tochter aus den schmerzvollen Überlegungen. »Die Erde ist so hart, wir können vom Glück sagen, dass die Totengräber endlich ein Loch ausheben konnten.« Das blasse Gesicht umrahmt von der Trauerhaube nahm sie ächzend Stufe für Stufe, als erklömme sie einen hohen Berg.
Maryanne griff nach ihrer Hand und drückte zu. »Es wird wärmer werden und schon bald können wir Blumen auf Vaters Grab pflanzen. Veilchen in Gelb und Blau. Die mochte er doch so gern. Dann sieht alles gleich viel hübscher aus. Du wirst sehen.«
Ein gedehntes Stöhnen entwand sich Berthas Kehle und sie klammerte sich an Maryanne fest. »War Trudi schon auf den Beinen?«, fragte sie, während sie sich von ihr hinaufziehen ließ.
»Das war sie. Sie ist mit mir aufgestanden, hat sich fertig gemacht und ist sogleich in der Küche verschwunden.«
Wieder stöhnte Bertha. »Ach, ich wünschte, wir hätten alle etwas mehr Zeit. Dieses vermaledeite Teehaus lässt uns nicht einmal die Möglichkeit, durchzuatmen. Ehrlich, Maryanne, manchmal ist es mir mehr Last als Freude.«
»Wir kümmern uns schon um das Kensington Crown – Trudi und ich. Du brauchst Ruhe, Mama. Die letzten Wochen waren für dich sehr beschwerlich. Du hast Tag und Nacht an Vaters Bett gewacht.«
»Gewiss. In der Tat«, murmelte Bertha zustimmend.
Sie ließen den Friedhof hinter sich und spazierten die Straße in Richtung Earls Court hinunter, wo eine Kutsche auf sie wartete.
»Ich werde sogleich hineingehen und mich ausruhen«, sagte Bertha, sobald sie eingestiegen und die Baldwin Street passiert hatten. »Ich möchte nicht völlig müßig sein, wenn es wieder losgeht. Was ist heute zu erwarten?«
»Das Komitee des königlichen Opernhauses«, antwortete Maryanne. »Mr McNeil wird anwesend sein, jedoch nichts von Belang. Du musst nicht runterkommen. Wir schaffen das allein.«
Bertha rümpfte die Nase. »Dein lieber Papa hat diesen Auftrag noch angenommen, bevor er …« Ihre weinerliche Stimme brach ein.
»Ich weiß, Mama. Und du weißt, dass wir das Geld brauchen«, entgegnete Maryanne.
»Gewiss doch.« Bertha seufzte abermals. »Ic...
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